Mit welchen Methoden führen wir die Story-Gespräche?
Im Laufe des Projekts haben wir viel Erfahrung gesammelt, wie wir Gespräche führen, damit wir mit Menschen über das sprechen können, was ihnen wirklich am Herzen liegt. Wir haben eine Sammlung an Praktiken, die sich bei uns oder in anderen Projekten oder Forschung bewährt haben. Gleichzeitig haben alle Story-Sammler*innen ihren eigenen Stil und es gibt keine Erwartung, es immer gleich zu machen. Weil die Gesprächssituationen und Bedürfnisse ganz unterschiedlich sein können, wäre das auch gar nicht möglich.
Hier einige methodische Erkenntnisse:
- Viele Menschen fühlen sich unzulänglich; aktiv ansprechen und ganz viel Wertschätzung geben
- Wenn der Einstieg schwierig ist, die Lebensgeschichte erzählen lassen, meist ergibt sich schon daraus ein Anknüpfungspunkt
- Anstatt über "Leistung" reden (was hast du denn erreicht?) über Wirkungserfahrung reden (was ist geglückt, was nicht? was hat sich gut angefühlt?)
- Fragen wir nach Nachhaltigkeit, kommt fast nie eine glückliche Story; fragen wir nach Glück, kommt fast immer eine nachhaltige Story
- Manchmal hilft es, zuerst 15 Minuten Platz zu lassen, damit sich Menschen den Frust von der Seele sprechen können
- Bei viel Alltagsstress hilft eine improvisierte "Achtsamkeitsübung" zu Beginn (z.B. darüber sprechen, was hier und jetzt grad passiert)
- Über Konkretes sprechen (Erfahrungen, Situationen, Handlungen) ist meist viel ergiebiger als über Konzepte, Theorie oder Wünsche
- Nachfragen bis ins kleinste Detail, manchmal versteckt sich genau dort die schönste Geschichte
- Eigene Ängste oder Unsicherheiten zu teilen schafft eine "gleichberechtigte" Gesprächssituation, wenn es authentisch passiert
- Driftet das Gespräch ins Technische oder Abstrakte, hilft eine simple Frage zu einer Emotion
- Nicht nur über Positives sprechen (was war schwer? was hat sich in den Weg gestellt?)
- Bei schwierigen Situationen oder Gefühlen nicht schönreden, sondern akzeptieren und allenfalls zusammen auf die Suche gehen nach konstruktiven Aspekten
- Die Perspektive laufend erweitern (ich --> Gemeinschaft --> Menschen --> Lebewesen und Zukünfte...)
- Mit unseren Frameworks (Nachhaltige Lebensqualität, Systemwandel-Prototyp, etc.) fragen wir gezielt nach Mustern, die den Erzähler*innen vielleicht gar nicht bewusst sind. Immer mit Fingerspitzengefühl, um nicht eine Interpretation aufzuzwingen
- Bei schönen Begriffen und wenn die Augen leuchten, sind wir hellhörig und fragen nach konkreten Details (z.B. Freiheit, Sinn, Verantwortung, Luxus, Schönheit, Liebe, Fähigkeit, Glück, Gemeinschaft...)
- Lärm, Hitze, Kälte, Enge, Exponiertheit machen jedes Gespräch schwieriger
- Wenn es die Situation und Technik zulässt entstehen die besten Gespräche beim Spazieren oder gemeinsamen Arbeiten mit den Händen
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