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Fair statt gleich

Wird Verteilung gemeinsam ausgehandelt und an den  Bedürfnissen der Beteiligten orientiert, entstehen Grosszügigkeit, Entlastung, und Ressourcen fliessen dorthin, wo sie am meisten gebraucht werden.

Was ist die Ausgangslage?

Jede Gesellschaft braucht ein System, wie Ressourcen (Geld, Zeit, Entscheidungsmacht) verteilt werden können, das als fair wahrgenommen wird. Heute lösen wir das mit vermeintlich objektiven Regeln, die für alle gleichermassen gelten: für alle den gleichen Preis, klar definierte Gegenleistungen, wer zahlt bestimmt. In diesem System erhält der, der bereits am meisten hat, die meisten Möglichkeiten. Ressourcen fliessen somit nicht dorthin, wo sie am dringendsten gebraucht werden. Zudem kann kein Regelwerk die Komplexität der Realität vollständig abbilden, daher bleiben Beiträge, die nicht messbar oder vergleichbar sind (Care, Rücksichtsnahme, kleine Hilfen), unberücksichtigt. Wenn die Verteilung an ein anonymes System delegiert wird, geht der Bezug zu den Mitmenschen verloren; wir beginnen zu optimieren, statt grosszügig zu sein. Was passiert, wenn wir Verteilung nicht vorbestimmten Regeln unterwerfen, sondern unter den Betroffenen aushandeln? Wenn jede Person gibt, was sie kann, und erhält, was sie braucht? Ermöglicht das ein neues Verständnis für Fairness?

Im gemeinsamen Kühlschrank nimmt jede Person, was sie braucht (#125), und bringt, was sie übrig hat. Im Velokino wird der Strom selbst erzeugt. Wer strampelt und wie lange, ergibt sich spontan unter den Anwesenden. Niemand ist verpflichtet – und doch läuft der Film (#95). Am Parking Day wird öffentlicher Raum verhandelbar. Die Menschen vor Ort entscheiden gemeinsam, was hier geschieht (#89) – ein Prinzip, das sich auch dauerhaft auf die Quartierentwicklung übertragen liesse. Dasselbe Muster zeigt sich auch im Privaten: Diese Familie handelt Bedürfnisse und Möglichkeiten rund ums Essen gemeinsam aus. Auf diesen Prozess müssen sich alle einlassen, doch hat es die Familie entlastet und näher zusammengebracht (#5).

Diese Art von Zuteilung ist besonders interessant, wenn Ressourcen gemeinschaftlich gehandhabt (Kreislauf) werden und kann auch ohne Geld (Kooperation) gut funktionieren. Eine kollektive Haltung (Sinn) ermöglicht Vertrauen und Transparenz, welche die Grundlage für solche Verhandlungen bilden. Wenn die Grundversorgung gesichert (Kooperation) ist, kann die Zuteilung zusätzlicher Ressourcen viel entspannter angegangen werden.; Q