Kreisläufe

Alles Leben ist im Kreislauf.

Unsere Welt funktioniert in Kreisläufen. Tag und Nacht, Jahreszeiten, Wasser-, Kohlenstoff- und Nährstoffkreisläufe machen Leben erst möglich. Was zerfällt wird zum Baustein von etwas Neuem. Auch unser Leben erfolgt in Kreisläufen. In manchen Lebensphasen brauchen wir Unterstützung, in anderen geben wir sie weiter. Erholung macht Anstrengung möglich. Und in stabilen Zeiten schaffen wir die Voraussetzungen, um zukünftige Krisen bewältigen zu können. Eine tragfähige Gesellschaft gestaltet sich Kreislauf-fähig. Sie braucht nur so viel, wie sich erneuern kann. Und sie gibt mindestens so viel zurück, wie sie nimmt.

Wie werden die Geschichtsbücher eines Tages über das heutige System schreiben?

Dass Leben in Kreisläufen verläuft, wussten menschliche Kulturen schon immer. Die Wissenschaft konnte die zahlreichen menschlichen und ökologischen Kreisläufe später bis ins Detail erklären. Warnende Beispiele dafür, was geschieht, wenn diese Kreisläufe aus dem Gleichgewicht geraten, gab es zahlreiche. Über Kreislaufwirtschaft und Work-Life-Balance wurde viel gesprochen, den Circle of Life sangen Millionen mit.

Und trotzdem gestalteten die Menschen die Gesellschaft seltsamerweise meist nicht nach Kreislaufprinzipien. Wegwerfen war Teil vieler Geschäftsmodelle. Energie stammte damals mehrheitlich aus nicht-regenerierbaren Rohstoffen. Sogenannte Monokulturen wurden mit konstanter Zufuhr von Dünger und Wasser künstlich am Leben erhalten. Erfolg wurde vor allem an Wachstum gemessen. Auch sich selbst unterwarfen die Menschen diesem Denken: Manche Menschen wurden wie Ressourcen ausgebeutet und weggeworfen. Und viele litten unter konstanter Leistungserwartung und wenig Regeneration. Erschöpfung war Normalzustand, für die Menschen und für die Welt, von der sie lebten.

Je mehr die Kreisläufe in Schieflage waren, desto mehr Menschen engagierten mit Leidenschaft für Auswege aus dieser Einbahnstrasse. Sie reduzierten Abhängigkeit von neuen Ressourcen, designten Kreislauf-fähig, kreierten Modelle ohne Wachstumslogik, sie stellten den Planungsprozess auf den Kopf und fanden zurück zu zyklischen Lebensstilen. So vieles war schon da, dass nur noch wenig fehlte, bis sich alles wieder verknüpfen konnte.

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